Advokalender. #31

Den Mädels ist an ihrem vorweihnachtlichen Schreibpult vor lauter Schrift-Gedöns doch nun fast die Feder aus der Hand entglitten. Ihre müden Finger entspannend, gönnten die Märchen-Freundinnen sich nun mit Knabbereien am Lebkuchenhäuschen eine kleine Pause, welche etwas ausartete…. Bei Kerzenduft und Glühweindunst plauderten sie über ihre Reise durch die Matrix des irdischen R e c h t s, sinnierten über ihre Erlebnisse der vergangenen zwölf Monate und unterhielten sich über das ständige Klagegeschrei ihrer Freunde… Bis beim Flaschendrehen urplötzlich, -und wie aus dem Nichts-, ein Hirsch entstieg. Sie tauften ihn „Artus“ und begannen, ihrem tierischen Orakel ihre Aufgaben, Herausforderungen und Sehnsüchte zu erzählen. Ein jedes Märchen-Mädel schilderte sein Begehr. Ob sie wohl dadurch neuen Perspektiven „Thyr und Thor“ eröffnet haben?

Mach´ auf die Thyr und das Thor mach´ weit…


Advokalernder 2Q2Q – Thyrchen #31 – Silvester reitet den Amtsschimmel

#31 Thyrchen

Auf der Flucht in den Märchenkeller bleibt Artus mit seinem ausladenden Geweih an einem der zahlreichen niedrigen Türstöcke hängen. [Die beiden hinterhereilenden Retterinnen sind von weitem zwar zu hören, aber scheinbar haben Isabella und Lotte sich im Labyrinth von Lieschens Katakomben verlaufen. Denn weit und breit ist von ihnen nichts zu sehen. Null. Nada. So lässt das Hirschorakel seinen Gedanken freien Lauf und übt sich im Zwiegespräch mit seinem virtuellen Zwillingsbruder Silvester. Denn Selbstgespräche setzen Artus´ Meinung nach einen intelligenten Gesprächspartner voraus und eventuell das befreiende Momentum.

Seine verkeilte Lage würde Artus gerne schnellstens und zwar auf Nimmerwiedersehen zum Verschwinden bringen. Genauso wie es der Märchen-Mädels umfassende Anstrengungen in ihrer Auseinandersetzung mit der Nichtanwendbarkeit von Recht gelingen möchte. Ja, ja,…Eine Fiktion von Recht verletzt niemanden, nur dass ihm in realiter schon ganz arg die Schaufeln weh tun. Silvester rät ihm zu einem `Antrag auf Feststellung des Nichtbestehens von Türstöcken´, was das Hirschorakel ziemlich belustigt, Artus aber abrupt innehalten lässt. Dass ist doch die Idee! Soll doch die winterfeller Glaubenskongregation es selbst bescheinigen, dass der Mädels-Realität nicht existiert.

Die Erkenntnis, dass sie nachweisen konnten, dass es beim Geburtseintrag zwei gab, -den Menschen und das MONSTER-, und dass sie dieses in den Gesetzen finden und gut genug differenzieren konnten, hat den Mädels rechtlich den hübschen Hintern gerettet, erklärt er Silvester. Und die Abgabe der Niederschrift ans Geburtsstandesamt und an weitere Behörden hat ein gewisses Durcheinander in die Amtsstuben gebracht, aber behördliche Verfahren werden damit nicht gänzlich gestoppt. Erst ein Verwaltungsakt würde das Unverständnis und die Ratlosigkeit des Amtsschimmels beenden und neben einer hörbaren Annahme ein behördliches Tätigwerden initiieren müssen, stellt Artus klar. Mit der Niederschrift haben die Märchen-Mädels zwar den „Ich im Recht“, einen waschechten Indigenat-Winterfeller, wieder zum Vorschein gebracht, aber erst ein Verwaltungsakt würde diese Rechtsstellung amtlich machen. Das Hirschorakel erinnert sich dunkel an eine winterfeller Negativbescheinigung. Lieschen hatte einst mal so nen Antrag auf Feststellung des Nichtbestehens der winterfeller Staatsangehörigkeit rumgezerrt. Weil an der winterfeller StAg das KIND und damit das ganze Übel hängt, wäre es doch toll, wenn den Märchen-Mädels jetzt die Verwaltung selber sagt, ob sie diese Fiktion nun endgültig loswerden können oder nicht. Artus verfasst im Geiste schon mal ein fiktives Anschreiben zu Silvesters Antrag:

Sehr geehrter Beamter B u n t s c h u h,

ich, K n a l l e r, Silvester, habe Ihnen mit Einwurf-Einschreiben vom 22. Jänner 2029 eine öffentlich beglaubigte Niederschrift als empfangsbedürftige Willenserklärung übersandt, welche bisher keinerlei Rechtswirkung entfaltet hat. Diese Niederschrift gilt als hierin unter Bezugnahme eingebracht bzw. liegt diesem Schriftsatz bei.
Was habe ich bisher getan?
Ich habe die winterfeller Staatsangehörigkeit ausgeschlagen und damit den Alliiertenvorbehalt erfüllt.
Ich habe auf das Privileg verzichtet, unter einem Aliasnamen meine Schulden nicht zu bezahlen.
Ich habe mittels meines Erstgeburtsrechts (Treugebereigenschaft) mit rechtlicher Privatverfügung den Namen „Silvester Knaller“ dem Verkehr entzogen.
Ich habe das hiesige Rechtsfundament „Abstammungsprinzip“ und die Abstammung meiner Person mit beweiskräftigen Personenstandsurkunden nachgewiesen, welche meinen Personenstand und meine Rechtsstellung mit Rechtsstand vor dem Inkrafttreten des BGB (1. Januar 1900) öffentlich beweisen.
Obwohl ich damit lediglich meine Rechtspflichten erfüllt habe, indem ich mich rechtmäßig und ordnungsgemäß verhalten habe, war all dies wirkungslos und für die öffentliche Verwaltung bislang ohne Belang.


Ich übersende Ihnen deshalb den „Antrag auf Feststellung des Nichtbestehens der winterfeller Staatsangehörigkeit“ zur klärenden Bearbeitung. Dieser ging im Original an das verursachende Geburtsstandesamt und in Kopie mit taggleicher Post an die örtliche Ausländerbehörde sowie an das Bundesverwaltungsamt. Verweisen Sie bitte nicht auf Ihre Nichtzuständigkeit, sondern leiten Sie diesen Antrag von Amts wegen an die korrekte, bearbeitende Verwaltungsbehörde weiter. Ich verlange, mir mitzuteilen, dass Sie dieses getan haben, und ich verlange für alle laufenden Verwaltungsverfahren und behördlichen Vorgänge Rechtshemmung und Rechtsstille sowie die Aussetzung jeglicher Vollziehung, bis mit einem Verwaltungsakt endgültig geklärt ist, mit welcher Person ich nun authentisch bin.
Wer ich bin?
Ich lasse mich mit meinem christlichen Vornamen „Silvester“ rufen und mein geerbter, gesetzlicher Familienname und Vorname lautet auf K n a l l e r
, Silvester.

Ich bedanke mich für Ihr Verständnis und Ihre freundliche Unterstützung.

Hochachtungsvoll

K n a l l e r Silvester


Artus´ hat sich noch weitere Gedanken zu Silvesters Märchen-Antrag gemacht:]

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