Advokalender. #9

Den Mädels ist an ihrem vorweihnachtlichen Schreibpult vor lauter Schrift-Gedöns doch nun fast die Feder aus der Hand entglitten. Ihre müden Finger entspannend, gönnten die Märchen-Freundinnen sich nun mit Knabbereien am Lebkuchenhäuschen eine kleine Pause, welche etwas ausartete…. Bei Kerzenduft und Glühweindunst plauderten sie über ihre Reise durch die Matrix des irdischen R e c h t s, sinnierten über ihre Erlebnisse der vergangenen zwölf Monate und unterhielten sich über das ständige Klagegeschrei ihrer Freunde… Bis beim Flaschendrehen urplötzlich, -und wie aus dem Nichts-, ein Hirsch entstieg. Sie tauften ihn „Artus“ und begannen, ihrem tierischen Orakel ihre Aufgaben, Herausforderungen und Sehnsüchte zu erzählen. Ein jedes Märchen-Mädel schilderte sein Begehr. Ob sie wohl dadurch neuen Perspektiven „Thyr und Thor“ eröffnet haben?

Mach´ auf die Thyr und das Thor mach´ weit…


Advokalender 2Q2Q – Thyrchen #9 – Tuning Paule

#9 Thyrchen

Das Chaos in der Schreibstube ist endlich bereinigt und Roland bereits zum nächsten `potzblitz´ Einsatz rasend auf der Königsmunder Autobahn unterwegs. [Anlässlich Charlottes Befreiung stimmen Lieschen, Violetta und die flotte Lotte Charlottes Lieblingslied an. Artus klappt erschrocken sein Geweih herunter und hält sich hinsichtlich der schiefen italienischen Operntöne seine großen Lauscher zu. Aus Sorge, dass die Märchen-Scheiben bersten könnten, reißt er fix die Fenster auf und gibt dem Gefangenenchor seinen Lauf. Das Echo hallt zur Winterfeller Bank hinab und bringt dort Paules Firmenkunden-Berater und dessen Chef auf Trab.

Tuning Paule ist seit etlichen Tagen mit seinem monatlichen Kapitaldienst hinsichtlich eines großzügigen Darlehens zu seiner Werkstattfinanzierung in Verzug. Bevor sie ihm Feuer unter dem Hintern machen und Zwangsmaßnahmen einleiten wird, gibt ihm sein Bankinstitut letztmalig Gelegenheit die ausstehenden Raten zu überweisen.

Dank seiner Schwester Violetta ist Tuning Paule schon informiert, was es mit Darlehen so auf sich hat. Violetta, mittlerweile Winterfeller MQNQPQL-I Championesse, hat ihren großen Bruder über den Unterschied zwischen einem Treuhandverhältnis* und einem aufgrund eines Vertrags begründeten Rechtsverhältnisses** aufgeklärt. Paule Panther hat zugestimmt, sich in Maestros Märchen einzulesen und die Verantwortung für seine Schriftsätze zu übernehmen. Denn Artus und die Märchen-Mädels haben sich eine clevere Strategie überlegt, wie Tuning Paule auf sicheren Pfoten aus der Zwangslage entkommen könnte.

Zuallererst hoffen die Mädels aber, dass Tuning Paule den Super-Systemkleber in seinem Gehirn auflösen und diesen „doppelten“ Paule zum Vorschein bringen kann. Das würde sein Verständnis erheblich beflügeln, um die der einem Darlehensgeschehen zugrundeliegende Gesetzmäßigkeit zu begreifen. Diesbezüglich unternimmt Violetta alle Anstrengungen ihren leibhaftigen Bruder mit der Maske seines toten Zwillingsbruders und seiner ererbten Identitätsstörung bekannt zu machen. Der mental-chirurgische Eingriff, ihn selbst die Maske seines von der Öffentlichkeit heißbegehrten Doppelgängers vom Körper trennen zu lassen, ist dabei das schwierigste Unterfangen überhaupt. Denn eine persönliche durch die öffentliche Hand legitimierte Treuhandumkehr förderte zudem noch die angeborene zerebrale Verwachsung und ein auf lebenslänglich angelegtes mögliches authentisches Souveränitätsversagen.

Dann wird Tuning Paule auch noch die Bankspielregeln und das „Geldschöpfung-aus-dem-Nichts“-Prinzip verstehen lernen müssen. Das „Die-Dinge-spiegeln-und-zu-unserem-Vorteil-anwenden“-Statut ist nämlich der systemrelevanten Einrichtungen originäres Handelsgeschäft. So äußert sich die lukrative „Matrix“ allgemein im harmlosen Sprachgebrauch von Tuning Paules finanzierender Bank, dass man Herrn Paule Panther doch sehr gerne ein Darlehen gewähren wolle, wenn er als Gegenleistung ein paar Sicherheiten bieten würde. Dass dieser Honigtopf dann aber bei [coronösen] Widrigkeiten zur desaströsen Bienenfalle mutieren könnte, hat Paule dann doch sehr schnell begriffen. Des Tuning Paules Erfahrung am eigenen Leib wird zur der Banken-Rettungsschirme Freud´.

Der Mädchenchor hat schon ganz trockene Kehlen und bevor jede die Getränkebox bestiehlt, wird noch schnell das „Fiat lux!“ fürs Brüderchen gespielt. Aufgetankt und frisch erholt, schlägt auch schon das Mathegenie zu. Violetta schmiert geschwind auf der Märchen-Tafel Artus´ These hin. Während das Hirsch-Orakel ganz bequem am Flaschendrehkreuz lehnt. Via Winterfeller Online-Tool erklärt dieser so richtig cool, die Formel des Kreditgeschäfts und wer sich das hat ausgeheckt. Damit Tuning Paule das auch irgendwann einmal richtig gut verstehen kann. Die Formel lautet:

P a u l e ´s Avalkredit an die Bank + Das Darlehen der Bank an Herrn Panther = P a u l e s Avalkredit an Herr Panther.

Da Mathe schon immer Paules schwächstes Fach war, ist ihm die Arithmetik des Bankwesens immer noch ein Rätsel. Er ist Handwerker und kein Banker. Aber wie es aussieht, checkt er, dass es zwei Kredite zu geben scheint. Doch es gibt nur einen… und die Basis des Kreditgeschehens ist kein Vertrag, sondern lediglich ein Treuhandverhältnis [in der Notlage eines Weltbankrotts]. Und daraus folgt, dass es nie ein Darlehen gab, jedoch einen Avalkredit! Himmel! Orakel! Wer hat bloß an seiner Lichtmaschine gedreht?

Hm…nun, ja. Tuning Paule selber hat zwar noch nicht wirklich Licht am Auto, aber zum Glück hat er die Winterfeller Märchen-Truppe an seiner Seite. Er verschafft sich weiter fleißig Kenntnis über den Aufbau des Schuldgeld-Systems und so kommt es, dass er mit Hilfe der Märchen-Mädels das Schwert der Wahrheit auspackt und im Schriftwechsel mit seiner Bank um die Beantwortung zwei zentraler Fragen bittet: Was von Wert wird überhaupt geschuldet? Wer ist der Vorbesitzer der „Darlehens“-Mittel?

Violettas Feder ist schon gespitzt. Sie bringt für ihren Bruder nachfolgendes Schreiben zu Papier:

Betrifft: Vertrags-/Konto- Darlehensnummer: 1234512346

Sehr geehrter Poster Boy, Vorstandssprecher der Halsabschneider AG,

wir wenden uns mit einer Bitte um Klärung eines Sachverhalts an Sie direkt, da wir in einem Schriftverkehr mit unterschiedlichen Mitarbeitern Ihres Hauses Zweifel am Zustandekommen des gegenständlichen Darlehens Nr. 1234512346 äußern mussten, jedoch bislang noch keine zufriedenstellende Antwort bekommen haben. Insofern verzeihen Sie bitte, dass wir nicht locker lassen und an hoher Stelle nochmals nachhaken möchten.

Missverstehen Sie uns hierbei bitte nicht, denn wir wollten keineswegs irgendjemanden der Fachleute Ihres Hauses einen Fehler oder gar Unredlichkeit vorwerfen, sondern es geht uns lediglich um die Aufklärung einer einfachen Sachfrage. Vielleicht haben wir uns in unseren bisherigen Schriftverkehr auch nur falsch ausgedrückt und unsere Bedenken missverständlich formuliert. 

Die einfache Sachfrage zu dem gegenständlichen Darlehen ist, ob das Zurverfügungstellen der Darlehensmittel zum o.g. Darlehen aus Eigenmittel Ihres Hauses bestritten wurde, oder nicht. Wir wollten insofern lediglich wissen, ob Ihr Haus der Vorbesitzer derjenigen Mittel war, die als „Leihe“ bzw. „Lehen“ dem vertretungsberechtigten Geschäftsführer der Firma `Tuning Paule GmbH´ zur Verfügung gestellt und auf das entsprechende Geschäftskonto überwiesen bzw. dort gebucht wurden. Es besteht natürlich nicht der geringste Zweifel, dass diese Mittel geflossen sind.

Wir haben diese Frage bereits Ihren Mitarbeitern gestellt und dennoch keine zielführende Antwort erhalten.

Da nunmehr der Nachfrage, ob die Darlehensmittel vorher Eigenmittel Ihres Bankinstituts waren oder nicht, bislang eher ausgewichen wurde bzw. diese Frage letztlich unbeantwortet blieb, müssen wir davon ausgehen, dass es sich möglicherweise nicht um Eigenmittel Ihres Hauses handelte. Folglich müsste eine dritte Instanz den Gläubigertitel innehaben, die diese Mittel gewährte. Wiederum undenkbar, zumindest unwahrscheinlich in kommerziellen Geschäften aber ist, dass jemand ohne lukrative Gegenleistung eine Leistung erbringt, sodass nur die Person des vertretungsberechtigten Geschäftsführers als Darlehensnehmer selbst (-zugunsten der juristischen Person-), sozusagen in einer Doppelfunktion, als die Quelle der Mittelherkunft übrig bliebe.         

Daraus könnte man hypothetisch ableiten, dass das zugrundeliegende Rechtsgeschäft an sich bei der Darlehensaufnahme / Darlehensgewährung fehlte. Wenn das Zustandekommen des gegenständlichen Darlehensgeschäfts jedoch gar kein Rechtsgeschäft gewesen wäre, dann würden infolgedessen auch die benannten Vertragsparteien als der Grundbestandteil eines Vertrags und mit diesem Umstand sogar das Vertragsverhältnis und der Vertrag selbst fehlen. Aus all dem würde folgen, dass es weder eine Schuldnerpartei noch eine Gläubigerpartei gegeben hätte und dementsprechend auch nicht den originalen Schuldner- sowie den Gläubigertitel, ergo niemanden, der eine Schuldverpflichtung beanspruchen oder einen Rechtsanspruch einfordern könnte.   

Sie verstehen sicherlich, dass diese Fragen von Relevanz für uns sind und dass wir diese gemeinsam mit Ihrem Haus gerne klären würden.

Insofern würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns in den kommenden 7 Tagen, also bis zum 2. J a n u a r 2 0 2 9, aus Ihrer hohen Position heraus die entsprechenden Auskünfte an die Hand geben könnten. Wir würden uns ebenfalls freuen, wenn dies hinsichtlich unseres Verständnisses in relativ einfachen Worten geschehen könnte. Wir sind uns sicher, dass wir mit unserer Bitte um Auskunft nichts Unmögliches oder Unehrenhaftes von Ihnen verlangen.

Wir möchten Ihnen abschließend noch gerne mitteilen, dass wir Ihre Mitarbeiter nicht übergehen wollten, aber all diese nach ihrer Funktion nicht genau einordnen können. Insofern bitten wir Sie, diese von unserem Schriftsatz an Sie als die Vorstandschaft entschuldigend in Kenntnis zu setzen. 

Hochachtungsvoll.

P a n t h e r, P a u l e  

Die fabelhafte Schreibstube hat zum Thema Bankwesen u.a. im Poesiealbum Nr. 2 – reloaded einen Sonderteil (ab Seite 72) veröffentlicht!]


*Ein Treugeber gibt eine bisher auch rechtlich zu seinem Vermögen gehörende Sache (das Treugut) einem anderen (dem Treuhänder/Treunehmer) zu treuen Händen. Diese Sache – es kann sich auch um ein Recht handeln –wird dem Treuhänder mit der Bestimmung übertragen, die damit verbundenen und übertragenen Rechte zwar im eigenen Namen auszuüben, sie jedoch nicht zu seinem Vorteil zu gebrauchen. Im Allgemeinen tritt der Treuhänder nach außen entweder als Eigentümer oder als Verwalter der ihm vom Treugeber übertragenen Rechte auf. Die Rechtsbeziehung zwischen Treuhänder und Treugeber wird in einem Treuhandvertrag geregelt. Beispiel: Karlchen Huber (Treugeber) gibt aus Zeitmangel seine Anteile (das Treugut) an der Gesellschaft Gigant AG an Kuno Klotzig (Treuhänder/Treunehmer) zu treuen Händen. (Quelle: http://www.wirtschaftslexikon24.com)

**rechtlich geordnetes, bestimmte Rechte und Pflichten begründendes Verhältnis, in dem Personen bzw. Personen und Gegenstände zueinander stehen (Quelle: google Wörterbuch)

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