Advokalender. #23

Den Mädels ist an ihrem vorweihnachtlichen Schreibpult vor lauter Schrift-Gedöns doch nun fast die Feder aus der Hand entglitten. Ihre müden Finger entspannend, gönnten die Märchen-Freundinnen sich nun mit Knabbereien am Lebkuchenhäuschen eine kleine Pause, welche etwas ausartete…. Bei Kerzenduft und Glühweindunst plauderten sie über ihre Reise durch die Matrix des irdischen R e c h t s, sinnierten über ihre Erlebnisse der vergangenen zwölf Monate und unterhielten sich über das ständige Klagegeschrei ihrer Freunde… Bis beim Flaschendrehen urplötzlich, -und wie aus dem Nichts-, ein Hirsch entstieg. Sie tauften ihn „Artus“ und begannen, ihrem tierischen Orakel ihre Aufgaben, Herausforderungen und Sehnsüchte zu erzählen. Ein jedes Märchen-Mädel schilderte sein Begehr. Ob sie wohl dadurch neuen Perspektiven „Thyr und Thor“ eröffnet haben?

Mach´ auf die Thyr und das Thor mach´ weit…


Advokalernder 2Q2Q – Thyrchen #23 – Rudi Ratlos schwenkt vorsichtshalber die weiße Fahne

#23 Thyrchen

Während Lieschens Geburtstagsparty zwischen „DRaumschiff Surprise“ und Gourmäggles Imbissbude auf seinen Höhepunkt zusteuert, scheint in der [Winterfeller Behördenlandschaft der Quanten-Muff gezündet worden zu sein… Mittendrin, statt nur dabei: Rudi, Rudi Ratlos.

Rudi ist Agent seiner Majestät König Soedolf mit der Lizenz zum Dauer-Schikanieren. Rudi, Codename Agent 00DEUTSCH, macht den Winterfellern seit Jahrzehnten die Hölle heiß. Im Größenwahn von acht bis zwölf und neun bis drei, hat 00DEUTSCH auch noch jede Menge Spaß dabei seinen dienstlichen Anweisungen buchstabengetreu Folge zu leisten.

Systemische Systemverschleierung und der Schutz aller öffentlichen Sachwalter sind sein zu verteidigendes goldenes Kalb. Denn er und seine zu betreuenden Personenstandsfälle gehören zum Schriftgut des Winterfeller Standesamts und sind als solche dessen Verwaltungsvermögen zuzurechnen. Rudi ist mit der Winterfeller Justiz verbrüdert, stets gefechtsbereit und sein Morgen stirbt nie. Zwischen Geldeintreibungen und Zwangsenteignungen, Einstellung ungelernter Hilfskräfte zur chinesischen Flugsamenbekämpfung, Instrumentalisierung linientreuer Geschäftsinhaber, Bestellung von Kaffeefilter-Larven, Rosetten-Kissen und KungFuFluhppen, Erhebung, Digitalisierung und Auswertung von Biomatrizen, Organisation von Razzien gegen Reichebürger, Verfolgung treuhandbrüchiger Weiß- und Schwarzkittel, Koordination von Sondereinsatzkommandos zur Kontrolle des offenen Winterfeller Vollzugs, hat Agent 00DEUTSCH sich um besondere Angelegenheiten zu kümmern.

Der neueste Schrei knallt druckfrisch aus „Tunt-e-Belle“ in Rudis Verwaltungskörbchen. Die Führung aus dem Königsmunder Schloß verlangt, neben der Freigabe von Mehlwürmern in der Winterfeller Lebensmittelproduktion und der Umstellung von attraktiven Windelhöschen auf rektale Atmung, nun den Aufbau der Impfstraße zur behördeninternen AnimalFarm-Zecken-Keulung. IMMuff, 00MASS und ISRächthaberdeck wurden international gebaerbockt. Aufgrund dessen gab die Zentralratsvorsitzende Immergrün die weltweit gültige interne Ämterparole „Lass´ dich impfen oder werde geepsteint“ raus.

Rudi juckt das Holster und zwickt das Suspensorium. Als ob dieser Posteingang nicht schon genug zusätzliche Arbeit wäre, stürmen Standesamtsleiter Süleyman Moser, Amtsgerichts-Direktorin Anastasia Verleihnix und Bürgermeisterin Klodette Zaster-Roll völlig aufgelöst sein Büro. Die Prinzipale flehen Rudi um Amtshilfe bei der Jagd nach den weißen Kaninchen an zur Eindämmung eines Erwachen-Wir-rus-us. Während man im Amtsgericht Winterfell bereits unter dem Havanna-Syndrom leidet, fliegen im Standesamt Winterfell buchstäblich die Fetzen, wird ihm berichtet. In völlige Panik um die Öffnung der Geburtsregister geratene Standesbeamte raufen sich die verdrostet, gewielert und zerspahnten Haare. Via Flurfunk krachten alle Urkundsbeamten der Geschäftsstelle in den Kaninchenbau, sind infiziert und bereits geluschet. Sprachlose Justizangestellte soedern in Lichtgeschwindigkeit ihre Akten und städtische Angestellte legen verkohlt, geschrödert und ausgemerkelt ihre Jobs nieder. Was für ein Quanten-Wir-rus-us-Phänomen. Ratlos schwenkt Rudi vorsichtshalber schonmal die weiße Fahne…, denn der letzte Tropfen, der das Winterfeller Behörden-Fass angeblich zum Überlaufen brachte, war der Eingang nachfolgender notarieller Niederschrift:

Urkundenrolle Nr. 911/2029

Wappen

Verhandelt

zu Königsmund am 01.05.2029

Vor dem unterzeichnenden Notar

Windfried Dschinn

in Königsmund

erschien heute: Lieschen Müller, geb. am 01.04.1999, Am Abgrund 18, 12345 Königsmund,

von Person bekannt 

Die Frage nach einer Vorbefassung im Sinne von § 3 Abs.1 Satz 1 Nr. 7 BeurkG wurde von der Erschienenen nach Erläuterung der Vorschrift verneint.

Nunmehr erklärte die Erschienene zur Urkunde:

I c h, Familienname M ü l l e r, Vorname Lieschen, bevollmächtige den amtierenden Notar, in meinem Namen eine Willenserklärung einzubringen und den Eintrag eines Vermerks in das entsprechende Personenstandsregister zu beantragen.

Die mit der beigefügten öffentlichen Urkunde festgestellte Abstammung des geborenen Mädchens  M ü l l e r, Lieschen ist mit einem Eintrag in dem entsprechenden Personenstandsregister zu vermerken, die bisherigen Eintragungen sind in Entsprechung der öffentlichen Urkunde zu ändern bzw. zu berichtigen und mit dem richtigen Sachverhalt zu vervollständigen sowie neu zu beurkunden. Dieses soll auch für alle betroffenen Personenstandsurkunden gelten, die mit derjenigen der Unterzeichnerin in einem familienrechtlichen Zusammenhang stehen.

Dieser Erklärung wird eine Geburtenbuchablichtung zum Geburtsfall eines Mädchens, Urkunde Nr. 321. und der Staatsangehörigkeitsausweis der M ü l l e r, Lieschen (öffentlicher Titel Verz.-Nr. 03/2018; Apostille Nr. 567/2018) in beglaubigter Kopie hinzugefügt.

Die Niederschrift wurde der Erschienenen in Gegenwart des Notars vorgelesen, von ihm genehmigt und in Gemeinschaft mit dem Notar eigenhändig wie folgt unterschrieben:

Müller Lieschen 

Dschinn, Notar 


Alle Anstrengungen der Märchen-Mädels haben bisher nur deklaratorische Wirkung erzeugt. Ob ihnen mit dieser Niederschrift ein Märchen-Coup gelungen ist, muss noch herausgefunden werden.


Der Märchen-Mädels Intention dieser notariellen Niederschrift hat Lieschen in ihrem Poesiealbum Nr. 4 veröffentlicht. Die Hintergründe hierzu findet ihr in den Märchen:]

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