Advokalender. #19

Den Mädels ist an ihrem vorweihnachtlichen Schreibpult vor lauter Schrift-Gedöns doch nun fast die Feder aus der Hand entglitten. Ihre müden Finger entspannend, gönnten die Märchen-Freundinnen sich nun mit Knabbereien am Lebkuchenhäuschen eine kleine Pause, welche etwas ausartete…. Bei Kerzenduft und Glühweindunst plauderten sie über ihre Reise durch die Matrix des irdischen R e c h t s, sinnierten über ihre Erlebnisse der vergangenen zwölf Monate und unterhielten sich über das ständige Klagegeschrei ihrer Freunde… Bis beim Flaschendrehen urplötzlich, -und wie aus dem Nichts-, ein Hirsch entstieg. Sie tauften ihn „Artus“ und begannen, ihrem tierischen Orakel ihre Aufgaben, Herausforderungen und Sehnsüchte zu erzählen. Ein jedes Märchen-Mädel schilderte sein Begehr. Ob sie wohl dadurch neuen Perspektiven „Thyr und Thor“ eröffnet haben?

Mach´ auf die Thyr und das Thor mach´ weit…


Advokalende 2Q2Q – Thyrchen #19 – Elises droht die Zwangsenteignung

#19 Thyrchen

Von der Eule aus Kleinwielertal singt Violettas Schädel noch ein Lied. [Dass die Winterfeller Post nun einen Totalausfall zu beklagen hat, freut das Hirsch-Orakel köstlich. Artus scheint im Geiste für seine Mädels den Grill anschmeißen und den Tag der toten Eule zelebrieren zu wollen. Der ad hoc Schreibeinsatz für sprüchebüchse-geplagte Eltern hat der Mädels Schreibstuben-Pause die entspannte Ruhe weggefegt. Während Lotte überlegt, ob sie Dr. Theo zur Leichenschau hinzuziehen sollten, trabt der tierische Totengräber bereits in die Küche. Dort steht die Vollstreckerin, die ihre Beule kühlt und Isabella die Ohren volljammert, weil die gefiederte Postdrohne das eigens für ihre Freundin Elise gefertigte Schreiben nicht mehr ausliefern kann. Violettas Brieffreundin steckt gerade in großen Schwierigkeiten und die Märchen-Mädels hatten sich während Häshtäg Faus Schwurbel-Sendung für Elise Weiswasser noch schnell einen Plan überlegt, wie sie deren schmuckes Fachwerkhäuschen vor der Zwangsenteignung retten könnten. Lieschen schaltet schnell und schmeißt mit einem Karateschlag à la Oma Käthe den altmodischen Bakelit-Knochen an. Zum Glück hat Opa Hans seiner Enkelin vor kurzem für besondere Notfälle ein Satellitentelefon überlassen. Anstelle eine Trauerrede über Titel, Tresen und Tournamente zu halten, funkt Lieschen mit dem Alt-Ostwinterfeller-Armeebestand nun Elise an und spielt den gefiederfreien Nothelfer:

Privatautonome, empfangsbedürftige Willenserklärung unter Eid und unbegrenzter Haftung

hier: Beweis der Nichtigkeit eines Rechtsgeschäfts – Vorlage der Titel

Sehr geehrte Frau Elise Weiswasser, vertreten durch den Vorstand Dirk Ropp der Halsabschneider AG,

Sie haben als `Halsabschneider AG´ eine Zwangsvollstreckung 1K 9/28 beim `Amtsgericht Winterfell´ veranlasst. Wir fordern Sie auf, das dortige Zwangsvollstreckungungsverfahren mit sofortiger Wirkung einstellen zu lassen.

Unsere Begründung ist: Im gegenständlichen Verfahren gibt es nur eine einzige Partei, die aus insgesamt drei Schuldnern (Treuhändern) in diesem Treuhandverhältnis besteht. Die Beteiligten sind: 1. Ihre beanspruchte `Frau Elise Weiswasser´, 2. Ihr Erfüllungsgehilfe `Amtsgericht Winterfell´ und 3. die `Halsabschneider AG´ als Verfahrensbeauftragte, also Sie selber.

Mittlerweile konnte die Unterzeichnerin mit öffentlichen Titeln nachweisen, dass sie diese `Elise Weiswasser´ nicht ist. Der Name `Elise Weiswasser´ gehört zum „Schriftgut des erstellenden Standesamts und [ist] als solche seinem Verwaltungsvermögen zuzurechnen.“ Insofern besitzt die Öffentlichkeit als der Inhaber dieses Schuldtitels den Namen und folglich sind Sie es als scheinbare Forderungsgläubigerin, die identisch mit `Elise Weiswasser´ ist und als diese Person öffentlich auftritt. Die drei genannten Beteiligten bilden die einzige Partei des Verfahrens ab (Aktivseite der Bilanz-Mittelverwendung).

Im bisherigen Verfahren war zunächst unklar, wer denn die zweite Vertragspartei des „Darlehensvertrags“ darstellen soll, die über die Passivseite der Bilanz (Mittelherkunft) verfügt bzw. die Mittel bereitstellte. Also wurde von Ihrer Seite einfach eine (unsichtbare und gestaltlose) Gefälligkeitsausstellerin nach UCC 3-419 (e) und (f) vermutet. Sie ließen die Unterzeichnerin glauben, identisch mit `Frau Elise Weiswasser´ zu sein. Da nunmehr die tatsächliche physische Person W e i s w a s s e r, Elise, Geburtsfall eines Mädchens Personenstandsurkunde Nr.  321 (Passivseite der Bilanz – Mittelherkunft) zum Vorschein gekommen ist, ist es Ihnen nicht mehr möglich, Ihr Tagesgeschäft mit unwiderlegten Rechtsvermutungen zu betreiben. Weil damit das zugrundeliegende Darlehens-/ Forderungs-/ Zwangsvollstreckungs-Geschehen ein Ein-Parteien-Insich-Geschäft darstellt, musste folglich auch Ihre Bilanz schon am Tag der Forderungsentstehung saldiert und ausgeglichen worden sein. „Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit gewährt, finanziert sie diesen in einem ersten Schritt dadurch, dass sie den entsprechenden Betrag an Giralgeld selbst schafft.“ [Broschüre der Bundesbank „Geld und Geldpolitik“, 2011 / Seite 71 ff.].

Deshalb konnten Sie auch auf die folgenden Aufforderungen nicht antworten, die da lauten:

  1. Legen Sie den originalen Vertragstitel vor, der mit originaler Unterschrift von beiden Parteien eigenhändig unterschrieben wurde.
  2. Benennen Sie die beiden Vertragsparteien mit deren haftenden Vor – und Familiennamen [nach dem Sinne Ihres 15 U.S.C § 1692 (g)].
  3. Benennen Sie den Vorbesitzer der ausgereichten Darlehensmittel, die Sie nun per Zwangsvollstreckung einfordern oder beeiden Sie, dass Ihr Haus der Vorbesitzer dieser Mittel war.

Weil auch Sie eine Antinomie, ergo eine Unmöglichkeit des Rechts, nicht erfüllen können, zeigen wir Ihnen (und dem beauftragten Amtsgericht Winterfell) an:

Es gab nie ein Rechtsgeschäft Darlehen, es gab ein Treuhandverhältnis mit Ihnen und Ihrer vertretenen `Frau Elise Weiswasser´ als der Treuhänderin. In diesem Gläubiger-Schuldnerverhältnis fungieren Sie als die juristisch haftende Person des Schuldners.

Das einzige Kreditgeschehen, das es gab, war der Avalkredit, den Ihnen die Gefälligkeitsausstellerin W e i s w a s s e r, Elise aus ihrem Geburtsvermögen übertragen hatte. Diese ist Verfügungsgläubigerin des Verfahrens und der physischen Werte sowie im Treuhandverhältnis die Treugeberin und Quelle, aus welcher sich ihr sogenanntes Rechtsgeschäft speist. W e i s w a s s e r, Elise ist nunmehr als der Geburtsfall Urkunde Nr. 321 hervorgetreten und hat durch Ausschlagung des Erbes der deutschen Staatsangehörigkeit und dem sich daraus ergebenden Formwechsel ihren originalen Personenstand vollständig wiederhergestellt. Da die Treugeberin vermögensfähig ist, kann sie nicht als vertretbare Sache behandelt werden, so wie sie es mit Ihrer `Frau Elise Weiswasser´ tun. Das rechtsentscheidende Moment in diesem Verfahren ist der Verzicht der Unterzeichnerin auf das Sozialversicherungsprivileg. Sie hat an höchster Verwaltungsstelle mit empfangsbedürftiger Willenserklärung erklärt, auf das Privileg, unter fremden Namen ihre Schulden nicht zu bezahlen, zu verzichten. 

Das gegenständliche `Rechtsgeschäft Darlehen´ ist dementsprechend von Ihrer Seite aus nie -wie bisher dargestellt- zustande gekommen und alle Rechtswirkungen hieraus sind rückwirkend aufzuheben und null und nichtig zu stellen. Ohne Vertrag kein Rechtsgeschäft. Ohne Rechtsgeschäft kein Recht. Ohne Recht keine rechtliche Schuldverpflichtung. Ohne rechtliche Schuldverpflichtung kein Schuldtitel. Ohne Schuldtitel kein rechtlicher Gläubigeranspruch. Ohne Gläubigertitel kein Rechtsanspruch auf Schuldzahlungen oder Kapitaldienste oder gar auf die Zwangsvollstreckung 1K 9/28.

Aus all dem folgt:

Die Haftung, die für einen Schuldtitel besteht, existiert allein und ausschließlich auf Ihrer Seite, der Unterzeichnerin gegenüber. Wir zeigen Ihnen deshalb an, dass Ihr Handeln ultra vires war und zwingend eine Annullierung und Rückabwicklung des nichtigen Rechtsgeschäfts nach dem Verursacherprinzip zu erfolgen hat. Schadensersatzansprüche und die Ausschöpfung des Rechtsweges behalten wir uns in jeder Hinsicht vor.

Die Unterzeichnerin teilt Ihnen abschließend mit, dass sie die Besitzergreifung des physischen Anwesens mittels einer notarbeglaubigten Urkunde (Katasterauszug) vorgenommen hat. Diese Urkunde unseres Besitztitels ist in Form einer notariellen Niederschrift diesem Schriftsatz als empfangsbedürftige Willenserklärung beigelegt und besitzt ausschließende Kraft und Wirksamkeit.

Sofern Sie Einwendungen gegen die substanziellen Inhalte dieser privatautonomen Willenserklärung erheben wollen, erbringen Sie binnen einer Woche, also bis zum ……. 2029 widerlegende Belege und Nachweise. Widerlegen Sie dabei Punkt für Punkt, spezifisch und genau, durch ordnungsgemäß vereidigte Erklärung, unter voller Rechenschaftspflicht und Haftbarkeit, unter Strafe für Eidbruch nach gültigem Recht oder jeglichem Recht, sofern es authentisch und vom Verfügungsberechtigten mit nasser Tinte indossiert worden ist.

Nichtwiderlegung oder ein Fristversäumen Ihrerseits werten wir als gerichtsfeste, vertragliche Zustimmung zu allen substanziellen und formalen Inhalten der beiliegenden Urkunden und dieses Schriftsatzes (sowie aller vorhergehenden) und somit als Eingeständnis Ihrer privaten Haftungsübernahme in Ihrer Eigenschaft als Treuhänder des Namens `Elise Weiswasser´.

Sollte der Öffentlichkeit durch die unterzeichnende erstrangige Verfügungsgläubigerin und Treugeberin unabsichtlich und unwissentlich ein Schaden oder eine Entehrung entstanden sein, so bittet diese -in allen Ehren- um die Zustellung derjenigen Urkunde, mit welcher dieser Schaden oder die Entehrung umgehend geheilt werden können.

Diese Urkunde wird als privatautonome Willenserklärung nach Union postale universelle (UPU) 1874 zugestellt und in Frieden präsentiert mit dem Zweck, die öffentliche Ordnung, Sicherheit und das öffentliche Wohl aller Beteiligten aufrechtzuerhalten. Sie wird mit dem nachfolgenden Autograph und dem Ehrenwort der unbegrenzten Haftung versichert und als Zeichen des dreimalig geäußerten Willens durch die Unterzeichnerin bestätigt und von der Treugeberin rückbestätigt sowie mit ihrem Daumenabdruck als Lebendzeichen gesiegelt.

Dies alles wird getan, damit der Mensch nicht zu Schaden kommt. Mein Schöpfer kann nicht ausgeschlossen werden.

Gültig im heute, hier und jetzt, datiert zur Postregistrierung und rückwirkend zum siebzehnten Mai neunzehnhundertneunundneunzig um 22. Uhr 17 aus dem Wohnsitz zu Königsmund.

Anhang:

  1. Annahme des Geburtsfalls eines Mädchens mittels notariell beglaubigter Geburtenbuchablichtung (Kopie).
  2. Notariell beglaubigte Ausschlagungserklärung der deutschen Staatsangehörigkeit Ihrer Elise Weiswasser (Kopie).
  3. Notariell beglaubigte Besitzergreifung des gegenständlichen Katasterauszugs (notarielle Niederschrift / Zweitschrift).
  4. An den Herausgeber und Inhaber rücküberstellte `Geburtsurkunde´ der Elise Weiswasser mit dem Vermerk: „vermuteter Treuhandbetrug“. (Kopie).

Hochachtungsvoll.

W e i s w a s s e r, E l i s e


Psst…Lieschen hat sich zu ihrem dreißigsten Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht und ihr drittes Poesiealbum veröffentlicht:]

%d Bloggern gefällt das: