Advokalender. #37

Den Mädels ist an ihrem vorweihnachtlichen Schreibpult vor lauter Schrift-Gedöns doch nun fast die Feder aus der Hand entglitten. Ihre müden Finger entspannend, gönnten die Märchen-Freundinnen sich nun mit Knabbereien am Lebkuchenhäuschen eine kleine Pause, welche etwas ausartete…. Bei Kerzenduft und Glühweindunst plauderten sie über ihre Reise durch die Matrix des irdischen R e c h t s, sinnierten über ihre Erlebnisse der vergangenen Monate und unterhielten sich über das ständige Klagegeschrei ihrer Freunde… Bis beim Flaschendrehen urplötzlich, -und wie aus dem Nichts-, ein Hirsch entstieg. Sie tauften ihn „Artus“ und begannen, ihrem tierischen Orakel ihre Aufgaben, Herausforderungen und Sehnsüchte zu erzählen. Ein jedes Märchen-Mädel schilderte sein Begehr. Ob sie wohl dadurch neuen Perspektiven „Thyr und Thor“ eröffnet haben?

Mach´ auf die Thyr und das Thor mach´ weit…


Advokalender 2Q2Q – Thyrchen #37 – Eine Jurisdiktion macht sich die Welt, wie es Raffaela Trüffel gefällt.

#37 Thyrchen

Nachdem Tante Frieda mit ihrer Waschbecken-Aktion vermutlich die rote Welle in der Winterfeller Verwaltung ausgelöst hat, zwitschert sie fröhlich eine `Spritbirne´. Zum Leidwesen von Artus. Denn das Hirschorakel sieht schon seine Alkohol-Bestände gefährlich schrumpfen. À propos Bestände… [Neulich hatten es die Märchenmädels mal wieder mit dem Königsmunder Amtsgericht zu tun, so dass sich Artus zu einer Fleischbeschau der Rechteableitung aus der Sicht der Jurisdiktion hinreißen ließ und dies nun in geselliger Runde Lottes Tante zum Besten röhrte:

„Wir sind schon seit dem 18. Juli 1990 in 1871. Nur wurde dies allen Erfüllungsgehilfen in den Winterfeller Verwaltungen aufwendig verheimlicht. Man hat sie mit Dienstanweisungen zugebombt und subversiv mit allen möglichen Narrativen auf die Gefahr von Rechts, Aluhut-Verschwörungen und debilen Schwurblern eingeschworen. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die chronisch neuropathischen Erzählungen wurden zur Religion erhoben und der öffentliche Glaube an die Geschäftsbedingungen ihrer Simulation zur privilegierten Immunität.

Unser prominentes Beispiel: Raffaela Trüffel. Ihre kollegiale Spürnase und ihr Sinn für Humor sorgten für Gerechtigkeit, Harmonie und Ordnung im Königsmunder Amtsgericht. Die ausgeglichene Direktorin verstand so gar nicht, dass zwei einheimische Winterfeller Exemplare ihre politisch korrekte Firmenphilosophie differenziert betrachteten und ihrer ordentlichen Gerichtsbarkeit Freiwilligkeit erklärten.

Meine Märchenmädels haben sich im Laufe der vielen Monate redlich bemüht ehrenhaft und höflich aufzutreten. Im persönlichen Gespräch erbaten sie von Raffaela Trüffel deshalb eine Antwort, wie sie sich unter Einhaltung des geltenden und gültigen Rechts zu verhalten haben. Der Mädels Herausforderung liege darin, dass auf die Gesetze zwar von Seiten des Gerichts bestanden werde, diese aber in ihren konkreten Fällen real nicht anzuwenden sind.

Voller Stolz machte die Verwaltungschefin meinen Märchenfreundinnen ausweichend deutlich, dass jede Abteilung und Geschäftsstelle seine eigene „Business Unit“ sei und sie auf Entscheidungen der Rechtspfleger und Richter keinen Einfluss habe, sie aber allseits geflissentlich und hurtig den Kurs aus dem Königsmunder Schloss „tunt-e-belle“ erfülle. Täglich sei die Halbvenezianierin im Einklang mit der in ihrem Dienstzimmer so zahlreich aufgestapelten Gesetze und Verordnungen. Vom Winterfeller Bundesgesetzblatt und der darin veröffentlichten bereinigten und aufgehobenen Gesetze, von einer fehlenden Staatshaftung respektive der damit einhergehenden vollumfänglich persönlichen und privaten Haftung eines jeden „Staatsdieners“, -oder gar von aktiven Militärgesetzen und Kriegsrecht-, will sie in ihrer Amtszeit so gar noch nie etwas gehört haben. „Alles Kokolores!“ Statt Rechtssicherheit erfuhren meine Mädchen individuell funktionsbestimmte Zuständigkeiten und ihre permanente gebetsmühlenartige Gleichsetzung mit einer Sache.

So. Was hat die Behörde denn? Die öffentliche Verwaltung hat nichts, außer einen Namen. Ein [Personen-/Nachgeburts-]Name ist ein Wort. Worte sind Symbole für Sachen und Sachen sind bekanntlich tot. Der Name begünstigt einen lediglich, denn dieses „Namensbenutzungsrecht“ ist die Lizenz im winterfeller Seepiratenrecht, dass derjenige ungestraft leben darf. Ist der Nachgeburtsname erst völlig in die E U eingebürgert, dann hat dieser umso weniger Chancen, dem Druck zu entfliehen und seine Personenstandsurkunden noch zu bekommen. Am Ende machen sie gar die Standesämter dicht. War denn nicht auch schon eine Meldung in den Winterfeller Medien zu lesen, dass man Personalausweise und Reisepässe nun schon bei der Sparkasse beantragen könne?

Die Revision ihres Personenstands aufgrund der Personenverwechslung beim Geburtseintrag haben Lieschen, Violetta, Charlotte und meine flotte Lotte aus der Sicht der Jurisdiktion nun wie folgt abgeleitet: Was sie in der Jurisdiktion getan haben war lediglich, über eine Rechteableitung rückwärts zu entfliehen (…bzw. einer Fiktion ade zu sagen, die ohnehin nie vorhanden war). Mit dem Artikel 116, Satz 1, erster Halbsatz des Winterfeller-Grundgesetzes („vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung“) befanden meine Märchenfreundinnen sich ohnehin schon immer in der 1871-er Verfassung, weil dieses Gesetz Nr. 628 ja diese anderweitige Regelung war und weil sowieso niemand je Verfügungsrechte besaß, außer ihnen, den Indigenat-Winterfellern. Mit Löschung des Geltungsbereichs des GG (Art. 23) haben diese die Alliierten dann 1990 dorthin entlassen. Der Artikel 3 der 1871-er Verfassung wiederum sieht ein gemeinsames Indigenat aller Winterfeller vor und das ist die Angehörigkeit zu einem der sechsundzwanzig Bundesstaaten. Und dort gilt nun mal das ewige und unauflösliche Recht des ALR, das -auch in Kriegszeiten- den Einheimischen mit dem Boden seines Wohnsitzes unauflöslich verwurzelt. Also sprangen die Mädels mit dem Kaiserreich (Schutz der Außengrenzen) aus dem Kriegszustand heraus und landeten auf dem Boden ihres geerbten Heimatstaats. Was soll daran schwer sein, wenn sie sich im Frieden auf dem Boden des Bundesstaats befinden, weil sie alle der Mensch des §.1.ALR.* sind, der die Goldene Regel** beanspruchen kann?

Dringlich zu beachten ist, dass das Bundesgebiet das betretbare Territorium (Boden) der Bundesstaaten umfasst. Der Boden konnte dank ALR nicht besetzt werden. Der Boden ist mit dem Einheimischen ALR-rechtlich auf ewig und unauflöslich verankert. Im Krieg befindet sich das nicht-betretbare Reichsgebiet bzw. das Gebiet der Zoll- und Handelsunion des Winterfeller Reiches („Vereinsgelände“), ergo eines Vereins mit dem alleinigen Zweck, die Außengrenzen der Bundesstaaten zu schützen. Der einheimische, indigenat-winterfeller Bundesstaatsangehörige befindet sich deshalb nicht im Krieg!!! Daraus folgt, dass er keinen Frieden braucht, weil er ihn schon hat. (Lasst uns ein paar zusammentrommeln, meine lieben Mädels, und ihr werdet sehen, wie schnell dieser Frieden pandemische Ausmaße annimmt!!!).

Tatsächlich geht aber die Ableitung viel weiter zurück in eine Zeit vor den ersten schriftlichen Aufzeichnungen, als es Eigentumsrechte an demjenigen herrenlosen Boden gab, den sich der Urahn der Mädels als erster, -so wie ihn Gott gegeben hat-, durch Landnahme und Besitzergreifung angeeignet hatte. Traditionsgemäß und bodengebunden befinden sich die Mädels nunmehr in der Stellung von deren Erbnachfolge, als es Ethik und Gewohnheit sowie die Rechte des Bodeneigentums, anstatt römisches Recht und verleihbare Besitz- bzw. Herrschaftstitel, gab. Die Mädels verfügen über ihr allodiales Eigentum naturgegeben, denn „das Gut fließt, wie das Blut“, sodass das Erbe von einer Generation auf die nächste und letztlich ohne Besitzergreifung überging. Wenn es um das Volleigentumsrecht am Boden geht, dann geht es um das göttliche Anrecht auf Zugehörigkeit der Liegenschaft zu ihnen als die lebenden Weiber [Männer], denn „Gott macht den Erben, nicht der Mensch“. Ein Besitztitel respektive Gewere ist dem Eigentumsbegriff immer untergeordnet, denn ein Herrschaftstitel kann mit Kriegsgewalt zwar genommen werden, hat jedoch nicht die Kraft, den Eigentumstitel null und nichtig zu stellen.

Da der geerbte Boden schon vorhanden und die Landnahme bereits erfolgt war, bevor Rechtsgelehrte den Besitztitel und die Person erfanden, ist den Mädels demzufolge weder die Wirkung des `Imperium Romanum´ oder des Konzils von Nicäa, noch das kanonische Kirchenrecht, der `Dictatus Papae´ die `Unam Sanctam´, `Romanus Pontifex´ und `Aeterni Regis´, die Ergebnisse des Trienter Konzils, nicht der Canon 96, nach welchem der Mensch durch die Taufe zur Person wird etc., noch die gregorianische Zeitrechnung zurechenbar. Zurechenbar ist ihnen vielmehr das höchste Geburtsrecht, ihr freier Wille, als ihr kostbarstes, göttliches Gut.

Demzufolge haben die Mädels diese Rechteableitung in ihren Niederschriftsurkunden als Vollbeweis eingebracht, dass sie Nachfahre eines Ahnen (erster Besitzergreifung) aus dem germanischen Stammesrecht (Ethikprinzip) sind und als dessen Erbe die Verfügungsgläubiger ihres Rechts am Bodeneigentum (Agnat). Daher versteht es sich von selbst, dass der römische Rechtskreis, der Codex Iuris Canonici der Römischen Kirche und die Person damit endgültig ausgeschlossen wurden.  

Raffaela Trüffels sicheres Auftreten bei scheinbar völliger Ahnungslosigkeit sorgte bei unserem Mädelsduo deshalb nur für freundliche Anteilnahme. Nicht nur der global befohlene chinesische Flugsamenbefall scheint die Linientreue und den privatrechtlichen Kommerz beflügelt zu haben, sondern auch diverse Karrieren im Königsmunder Amtsgericht. Zur großen Freude von Raffaela Trüffel, die zum Leuchtstern am Rechtehimmel aufgestiegen und seit kurzem die neuernannte Präsidentin des Königsmunder Landgerichts ist!


*„Der Mensch wird, insofern er in der bürgerlichen Gesellschaft gewiße Rechte genießt, eine Person genannt.“ §.1.ALR. [Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten vom 1. Juni 1794]

**Goldene Regel: Alle Menschen sind ausgestattet mit unveräußerlichen, universellen Rechten und niemand steht zwischen ihnen und dem Schöpfer. Nichts steht über diesem Gesetz.


Wie die Märchen-Mädels ihren Personenstand rehabilitiert und welche Schritte genau sie unternommen haben, berichten sie in ihren Märchen. Ihr Rechtsstand ist `ius sanguinis´, insofern das Abstammungsprinzip. Ihr ursächlicher Erbanspruch wird -wie oben dargelegt- aus der hierzulande mündlich tradierten Gewohnheit abgeleitet. Aber hier noch eine kleine Legende:

Agnat. Geerbtes Recht am Eigentum des Bodens und seiner Liegenschaften außerhalb einer gesetzlich niedergeschriebenen Ordnung (Schöpfer- oder Ethik- bzw. Boden-Prinzip).

Indigenat. Geerbter Besitz vom Heimatboden des Geburtsstaates (Herrschaftstitel) im Rahmen einer Staatsverfassung, Wohnsitz im Inland (Staats- oder Landrechts-Prinzip).

Geburtsrechte. Der schöpfergewidmete freie Wille eines menschlichen Wesens, erworben mit seiner Lebendgeburt als exklusiver Titel und alle weiteren unveräußerlichen Rechte, die sich hieraus für das beseelte Wesen ableiten. „[Geburts-]Rechte sterben nie.“ [Bouvier´s 1856 Maximes of Law]

Geburtsvermögen. Der Anteil an den Werten des Landes, in dem Mann und Weib lebend herniedergekommen sind, unveräußerlich. Das göttliche Lehen. „Durch eine Veränderung in den persönlichen Eigenschaften des Besitzers wird in der Fortdauer des Besitzes nichts geändert.“ [ALR. ERSTER THEIL. Siebenter Titel. §. 114]

Eine Scheingesetzlichkeit bedarf guter Tricks, damit sie dem Magier geglaubt wird. Es ist erstaunlich, dass das Winterfeller Landrecht und das Winterfeller Seepiratenrecht keine Schnittmenge und keinen einzigen Berührungspunkt haben. Das einzige Einzelfaktum, das alles zusammenhält, ist tatsächlich der Treueeid der Erfüllungsgehilfen. Deshalb haften sie für ihr privates Handeln auch privat. Hier -nur ansatzweise- ein paar wesentliche Unterschiede.

Rechtsverhältnisse: gültig vor dem 28.10.1918. Rechteträger: Der Mensch ist das Recht. Der Rechteträger Erdenkind besitzt Geburtsrechte, wie das Namens- und das Selbstbestimmungsrecht; er verfügt über seinen Namen, besitzt einen freien Willen und steht auf der Realörtlichkeit seines Heimatbodens (Indigenat); Öffentliches Recht existiert nur im (realörtlichen) Indigenat. Die physische Person setzt Autograph und siegelt.

Rechtsverhältnisse geltend ab dem 28.10.1918 – gespiegeltes Seehandelsrecht. Rechteträger: -fehlt- ! Der rechtlose Vertreter ist der autorisierte Repräsentant [A.¸R.], ein erdichteter Law Merchant nach Federal Reserve Act 1913; er haftet mit seiner Unterschrift, steht unter Vormundschaft im Kriegsrecht und befindet sich an einem Scheinort bzw. einer Fiktion im Ausland. Öffentliches gesetzliches Recht existiert nicht; das herrschende Statutenrecht ist privates Verwaltungsrecht.]

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